Knapp 200 Neonazis marschierten in diesem Jahr am 8. Mai zum wiederholten Mal durch Demmin. Mit dem mittlerweile jährlich stattfindenden Aufmarsch wollen sie in geschichtsrevisionistischer Weise an die deutschen Opfer des Zweiten Weltkrieges erinnern. Hintergrund ist die besondere Geschichte Demmins. In der Peenestadt hatten sich gegen Ende des Krieges nach etlichen Aggressionen gegen die einmarschierende Rote Armee hunderte Bürgerinnen und Bürger Demmins aus Angst vor Racheakten kollektiv selbst getötet. Die NPD nutzt diese Geschehnisse für ihre einseitige und verzerrende Darstellung der Geschichte, für eine Erzählung die nur deutsches Leid kennt. In diesem Jahr mussten sie dafür allerdings aufgrund von frühzeitiger Anmeldung von zivilgesellschaftlichen Kundgebungen und Demonstrationen auf einer vergleichsweise unattraktiven Demostrecke laufen.
Der Tag der Befreiung in Demmin
Zu den zahlreichen Anmeldungen und einer Demonstration gegen den Naziaufmarsch kamen am diesjährigen 8. Mai auch erneut mehrere Blockadeversuche. Für diese, dass muss zugestanden werden, wird der Protest in der Peenestadt noch immer nicht ausreichend unterstützt. Für die Demminer Antifaschist_innen ist dies aber überhaupt kein Grund die Hände in den Schoß zu legen und auf bessere Tage zu hoffen. “Es gibt nichts gutes, außer man tut es” heißt es, und so wird dem Aufmarsch in jedem Jahr eben das entgegengesetzt, was geht. Dabei ist allerdings durchaus eine Entwicklung zu konstatieren und diese lässt optimistisch in die Zukunft blicken. Aus dem nahe gelegenen Greifswald ist in diesem Jahr erstmals ein Bus zu den Protesten an die Peene gekommen. Erstaunlich ist, dass es sogar einen Bus aus Berlin gab, der die Proteste unterstützte.
Zum Abschluss der vielfältigen Proteste gab es wieder eine größere Kundgebung an der Peene. Das Novum bestand in diesem Jahr darin, dass die Nazis die Antifaschist_innen direkt passieren mussten, weil sich, anders als in den Vorjahren, beide Veranstaltungen auf derselben Flussseite der Peene befanden. Entsprechend wurde der Zug der nationalen Trauerklöße unmittelbarer denn je mit lautstarkem Protest bedacht.
Deutsche Täter sind keine Opfer
Die Demonstration der NPD wurde vor allem von lokalen Neonazis aus den umliegenden Städten und Dörfern frequentiert. Die lokalen Kameradschaften aus Demmin, Malchin und Gnoien waren ebenso vertreten wie einzelne Aktivisten aus Stralsund, Grimmen und Greifswald. Einen Großteil machten wieder einmal die Kameraden aus dem Speckgürtel von Sczeczin aus. Aus dem westlichen Teil des Bundeslandes waren vor allem die Berufspolitiker um die Schweriner Landtagsfraktion angereist. Einen sehr selten öffentlich gezeigten Sinn für Humor zeigten zum Beispiel die Landtagsmitarbeiter Michael Grewe und Stephan Jandzinsky, die in Kostümierung ihre Kameraden in die richtige Vertriebenenstimmung bringen wollten. Auf dem Höhepunkt der Naziveranstaltung sprach der Fraktionsvorsitzende der NPD, Udo Pastörs, und forderte dabei unter anderem sich vor „den Helden der Waffen SS“ zu verneigen. Ein weniger ehrerbietenden Eindruck hinterließen etliche betrunkene Neonazis, die sich rund um die Veranstaltungen aufhielten, Hitlergrüße zeigten und versuchten Antifaschist_innen zu bepöbeln. Ob dies die wohlwollende Begleitung der NPD-Demo durch Demminer Bürgerinnen und Bürger war, von der MupInfo berichtete, konnte bis Redaktionsschluss nicht abschließend geklärt werden.
Auf einem guten Weg
Der Antifaschistische Widerstand stabilisiert sich weiter. Mehr wäre aber noch schöner. Die NPD hatte wie im letzten Jahr unmittelbar nach dem 1.Mai und unter der Woche Schwierigkeiten eine große Menge auf die Straße zu bringen. Ohnehin scheint es, als wenn die Neonazis derzeit statt zur Politik wieder verstärkt zur unmittelbaren Gewalt greifen. Die Buttersäure-Anschläge der vergangenen Woche sind dabei nur die am meisten medial wahrgenommenen Erscheinungen einer ganzen Welle der rechten Straßengewalt. Für die Antifaschist_innen bedeutet dies zweierlei, einerseits gilt es wachsam zu sein und mit weiteren Aggressionen zu rechnen, auf der anderen Seite heißt dies allerdings auch, dass der richtige Weg eingeschlagen worden ist und nun konsequent weiter beschritten werden muss.
Alle Bilder via: H. Schlechtenberg, Picasa. Alle Rechte vorbehalten

















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