Los Fastidios, Stagebottles, Früchte des Zorns – das sind nur die Headliner des ‘Riot In My Heart’-Festivals das am 11. und 12. Mai im Rostocker Peter-Weiss-Haus stattfinden wird. Ein ausdrückliches Antifa-Festival in MV – bitter nötig könnte man sagen. Klar, in den größeren Städten lässt sich es auch einigermaßen ohne Nazistress leben, aber das ländliche MV ist für Menschen und vor allem Jugendliche, die sich dem Nazipöbel in den Weg stellen wollen, ungemütlich, wenn nicht gefährlich. Gerade für sie soll das ‘Riot In My Heart’ zwei Tage abschalten, zwei Tage feiern ohne Nazistress und natürlich mit geiler Musik bedeuten. Kombinat Fortschritt sprach mit den VeranstalterInnen über Ihre Beweggründe, Vorbilder und die besondere Location.
Kombinat Fortschritt: Was ist die Idee vom Riot In My Heart?
Riot In My Heart: Wir wollen ein Antifa-Festival in Mecklenburg Vorpommern veranstalten. Damit hoffen wir weiter positive Akzente zu setzen. Die Antifa erlebte in den letzten Jahren eine gute Entwicklung. Die Unterschiede zwischen Stadt und Land sind aber natürlich weiterhin unbestritten vorhanden. Auf den Dörfern ist es ziemlich schwer gegen den ganzen Nazimist standzuhalten. Aber es gibt immer wieder neue Leute, die die Verhältnisse nicht hinnehmen wollen. Das Festival ist auch als ein zeitweiliges Aufatmen und Kraft schöpfen gedacht. Zwei Tage lang soll es einfach geilen Scheiß fernab vom Nazimist geben.
KomFort: Auf eurem Blog habt ihr das ja auch so beschrieben dass das Festival eine Art Tankstelle sein soll, an der man etwas Kraft für das Engagement gegen die Faschisten zapfen kann. Jetzt hätt’ ich beinah gesagt Politik ist Politik und Schnaps is Schnaps, aber mal im Ernst, wofür braucht die Antifa-Szene in MV ein eigenes Festival? Davon gibt’s doch sehr viele im ganzen Sommer.
Riot: Wir organisieren seit ca. zwei Jahren Konzerte in Rostock und Umgebung. Da unseren Erachtens nach die Nachfrage nach solchen Veranstaltungen in MV recht hoch ist, wollen wir uns ganz einfach an diesem Festival probieren. Vielleicht geht es in die Hose, vielleicht ist es für viele jedoch auch ein schönes Ereignis. Das “Riot In My Heart” ist auch nur eins von vielen coolen Zeckenfestivals in Meck Pomm. Sei es die Fusion in Lärz, das Punx Picnic in Neubrandenburg oder auch die KuT Sommerschlacht in Gadebusch. Nun hat Rostock auch ein AFA-Festival. Kann es von solchen Sachen überhaupt genug geben? Der Punkt mit der Krafttankstelle ist ja auch nur einer von vielen. Leute sehen sich wieder, lernen sich kennen, connecten sich oder politisieren sich über die Musik. Natürlich darf es nicht nur bei solchen Veranstaltungen bleiben. Viel cooler ist es noch, wenn man später ein paar neue Gesichter auf der nächsten Demo, bei der nächsten Aktion sieht. Das ist uns schon oftmals passiert und jedes Mal freuen wir uns darüber sehr. Wir finden es top, wenn die Leute nicht nur besoffen “Raven gegen Deutschland” grölend am Stammtresen backen bleiben, sondern auch ihren Arsch hochbekommen. Abschließend sei gesagt: Immer weiter, immer weiter. Auf Stillstand haben wir kein Bock. Wir sind für hunderte Antifa Festivals in Meck Pomm! Wir wollen mehr und wollen uns nur vor Einem verschließen: der Stagnation.
KomFort: Gibt es Vorbilder für diese Festival-Idee?
Riot: Das kann man schon mit einem klaren “Ja” beantworten. Ob es nun das Fight Back in Nürnberg, das “Fire and Flames” in Göttingen oder das “Siempre Antifascista” in Berlin ist. Wir haben schon viele Eindrücke auf solchen Veranstaltungen gesammelt und haben uns im letzten Jahr halt dazu entschlossen, dass wir sowas auch in Rostock aufziehen wollen. Wir finden den Gedanken cool ein Festival von der Szene für die Szene zu veranstalten.
KomFort: Was erwartet denn die Leute? Los Fastidios und Stage Bottles dürften ja bekannt sein, aber was wird denn noch so alles gespielt?
Riot: Die Leute erwartet ein kleines aber feines Festivalgelände. Am Samstag wird es neben der Indoor- auch eine Outdoor-Bühne geben. Ob das Konzept aufgeht und die BesucherInnen auch im Freigarten ihren Spaß haben werden – darauf sind auch wir mehr als gespannt. Als kleines Vorabschmankerl können wir ja schon mal blicken lassen, dass die Stage Bottles als Letztes auf der Outdoor-Bühne spielen werden. Bei dem Gedanken daran bei untergehender Sonne im Freigarten, “Russia” laut mitzusingen, bekommen wir schon jetzt etwas Gänsehaut. Bandmäßig geht es neben Los Fastidios und den Stage Bottles beim “Riot In My Heart” querbeet durch den Gemüsegarten. Von LiedermacherInnen wie Früchte des Zorns oder YOK, über Hip Hop Acts wie Schlagzeiln, Johnny Mauser/Captain Gips feat. Marie Curry oder Kurzer Prozess bishin zu Kaput Krauts,Total Panic Reaction, Hysterese oder Cervelli Stanki. Eigentlich dürfte für jeden etwas dabei sein. Uns persönlich ist es wichtig, dass dieses Festival in musikalischer Hinsicht ein Genreübergreifendes ist. An erster Stelle steht für uns, dass sich die Combos mit dem antifaschistischen Selbstverständnis des Festivals identifizieren können.
KomFort: Ihr schreibt in eurem Selbstverständnis, dass ihr keinen Bock auf Grauzonen-Scheiße habt. Um diesen Begriff hat es ja durchaus turbulente Auseinandersetzungen gegeben. Vielleicht ist es ja aber dennoch nicht bis zu allen Leuten vorgedrungen. Was für ein Problem habt ihr mit Krawallbrüder, Frei.Wild und Co.?
Riot: Vermeintlich unpolitische Bands, die kein Problem damit haben, mit rechten Bands zusammen zu zocken, gemeinsam mit Faschocombos auf Samplern erscheinen, oder es nicht für bedenklich halten, mit irgendwelchen Neonazis auf ihren Konzerten zu feiern, so lange sie sich doch nur “gut” benehmen,sind kurz gesagt: Grauzonencombos. Mehr Infos und eine ganz korrekte Beschreibung findet ihr dazu hier. Wir sind keine Nerds die nur in schwarz und weiß denken. Man sollte sich immer bewusst sein, dass Menschen/Bands etc. sich verändern können, egal ob nun positiv oder negativ. Bands wie Frei.Wild oder Krawallbrüder, die rechts und links gleichsetzen, die “Extremismuskeule” der Familienministerin Kristina Schröder mitschwingen und konservativen Scheiss erzählen, können wir nicht Ernst nehmen und es ist uns bewusst, was uns von solchen Knallern trennt. Wir wissen wo wir stehen. Sie wissen scheinbar wo Sie stehen. Das bspw. sind zwei nicht zu vereinbarende Standpunkte und so werden wir solchen Bands keinen Platz auf dem “Riot in my Heart” bieten. Beenden wir die Frage mal mit den Worten der Produzenten der Froide: “Ihr nennt euch unpolitisch und küsst die rechte Seite. Euch ist es scheissegal wohin die Reise geht. Euch ist es scheissegal, welche Fahnen wehen. Ihr tanzt auf jeder Party, aber nicht auf meiner! Euch Rückgradloses Pack will ich von hinten sehen!”
KomFort: Auf dem Blog gab es schon zu lesen, dass das Riot In My Heart mit ein paar Besonderheiten im Booking aufwartet. Kannst du dazu etwas mehr sagen?
Riot: Da gibt es so Einiges. Schlagzeiln werden das erste Mal seit einem halben Jahr wieder spielen und zudem ist es ihr bisher einziger bestätigter Gig für 2012. Ein absoluter Geheimtip dürften zur Zeit auch Hysterese sein. Mit dem “Riot Brigade”-Schlagzeuger im Gepäck touren die 4 MusikerInnen sich gerade ordentlich den Arsch ab. Zu der Zeit auf Tour durch Polen, Tschechien und Deutschland ist auch die seit 20 Jahren bestehende Streetpunk-Combo “Cervelli Stanki” aus Albisola Mare(Italien). Wer auf Hymnen steht, wird die lieben! Versprochen! Worüber wir uns persönlich sehr freuen, ist zudem das “Kaput Krauts” zugesagt haben. Die Band hat schon lange nicht mehr in Meck Pomm gespielt und so hoffen wir, dass sie am 12.5. die Crowd zum Abdrehen bringen wird. Im Booking war es uns zudem wichtig, dass wir nicht nur Männer auf der Bühne stehen haben. Bei den Konzerten die wir sonst organisieren, versuchen wir auch da das Augenmerk drauf zu haben. Klappt nicht immer, aber immer öfters (lacht)! Umso mehr freuen wir uns darüber, dass wir die Früchte des Zorns, Hysterese, Marie Curry und Total Panic Reaction für uns gewinnen konnten.
KomFort: Schon am 2.3. und 16.3 wird es ,,Warm up” Partys im Peter Weiss Haus in Rostock geben. Auf was kann man sich da einstellen?
Riot: Am 2.3. dürfte bei den LiebhaberInnen der elektronischen Musik das Herz höher springen. Unsere Homies aus Rostock von Theory und Praxys feat. Raw Sax,Tomas Kain, Jang und Die Klang AG werden das PWH zum Schwitzen bringen. Die finale Partyekstase wird dann Endi, Bassist bei “Egotronic”, verschaffen. Obwohl wir aus persönlicher Tasche schon recht viel gestemmt haben, werden die Einnahmen von diesem Abend dazu genutzt, um uns ein kleines “Startkapital” für das “Riot in my Heart” zu schaffen. Am 16.3. geht es dann rund. Die “Riot in my Heart Warm up”-Party steht im PWH an. Politpunk (Hausvabot) trifft auf Antifa Skinhead Rock`n`Roll (Produzenten der Froide) und 1/4 Pfeffi 3/4 Malzbier (Halbstark).Danach legt das DJ Team Romper Tomper/Shit City auf. An diesem Tag wird es auch das erste Mal öffentlich die Tagestickets für die jeweiligen Festivaltage zu kaufen zu geben. Ranhalten heißt da die Devise.
KomFort: Auf eurem Blog und auf den Flyern konnte man ja lesen, dass das Kartenkontigent doch sehr begrenzt ist und dass die Leute sich schnellstmöglichst Karten besorgen sollen. Ist dies nur ein Marketinggag, um schon ordentlich Karten im Vorverkauf abzusetzen, oder bittere Realität?
Riot: Es ist die bittere Realität. Da können wir auch Nichts dran ändern. Dass Peter Weiss Haus hat bezüglich des Platzes ganz einfach Grenzen. Es gibt ein paar hundert Tickets. Dann ist Schluss. Wir hatten einen Vorabverkauf übers Internet, der auch mehr als gut angenommen wurde. Viele Leute von außerhalb haben sich ihre Festivaltickets gesichtert und wir mussten schon Einigen zurückschreiben, dass sie zu spät gekommen sind. Die Möglichkeit für alle Anderen sich noch Karten zu besorgen, gibt es ab dem 16.3. im öffentlichen Verkauf. An dem Tag findet die “Warm up” Party statt. Das Freitagsticket kostet 8 Euro und das Samstagsticket 15 Euro. Wenn an diesem Tag noch nicht alle Karten weg gegangen sind (womit wir aber nicht rechnen), wird es noch verschiedene Termine geben, an denen man sich die Karten im Cafe Median besorgen kann. Wir können es nur nochmal wiederholen: Wenn die Karten weg sind, sind sie weg. Da hilft dann auch kein “Wir kennen uns doch” oder “Haste ma noch eine Karte” für mich. Markiert euch im Terminkalender ganz einfach fett den 16.3. und es dürfte nicht viel schief gehen.
KomFort: Noch ein paar letzte pathetische Worter eurerseits und dann ist Schluss (lacht).
Riot: Die bekommt ihr. Wir bedanken uns schon mal im Voraus bei all den Leuten, die uns unter die Arme greifen. Bspw. sei hier “Fire and Flames” genannt, die beim Festival auch einen Stand haben werden, bei dem man sich mit dem neuesten Stuff eindecken kann. Hervorheben wollen wir jedoch ganz klar das Peter Weiss Haus. Ohne dieses Projekt würde diese Idee nicht zur Realität werden. Genau deshalb wollen wir auch dazu aufrufen, dass PWH zu unterstützen. Taten sagen ja oftmals mehr als Worte und so könnt auch ihr öfters Mal im PWH vorbeischauen und nach dem nächsten Subotnik fragen. Da gibt es regelmäßig Termine, wo alle mitanpacken können. Wer dem Projekt Kohle zukommen lassen will, soll auch daran nicht gehindert werden. Schaut einfach mal hier nach. Wir freuen uns auf euch!
Siempre Antifa!
Das nächste Subotnik im PWH findet übrigens am 3.3. statt.





Schönes Interview.Ich freu mich auf den Mai
[...] alles könnt ihr auf kombinat fortschritt. [...]
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Stage Bottles und Kaput Krauts auf einen Festival, das ist wie Weihnachten und Ostern zusammen an einen Tag.
Grimmen ist dabei!