Politik

Buttersäureanschlag auf alternative Wohnhäuser in Rostock

Wie der Awiro e.V. aus Rostock mitteilt hat es in der vergangenen Nacht einen Anschlag mit Buttersäure auf die Vereinshäuser gegeben, in denen auch das „Cafe Median“ und der Infoladen „Flüstern und Schreien“ untergebracht sind. Am heutigen Montagmorgen waren Feuerwehr, Polizei und Presse vor Ort. Der Anschlag auf den Awiro war nicht der Erste. Die Bewohner_innen vermuten eine neonazistischen Hintergrund. In den frühen Morgenstunden hatte ein Bewohner einen stechenden Geruch festgestellt und die Feuerwehr alarmiert. Bislang unbekannte Täter hatten an mehreren Stellen Buttersäure verschüttet. Eine Räumung des Hauses war nicht notwendig. Buttersäure kann allerdings in entsprechender Konzentration zu Reizungen und auch Verletzungen der Augen und Atemwege führen. Neben den betroffenen Häusern befindet sich ein Kindergarten, in dem Kinder aus dem ganzen Stadtteil betreut werden.

Bereits in der Vergangenheit hatte es Anschlagsversuche durch Neonazis gegeben, bei denen mehrfach Kürzel und Bekennerschreiben der Rostocker Kameradschaft „Nationale Sozialisten Rostock“ (NSR) hinterlassen wurden. Die NSR ist die örtliche, NPD-abhängige Kameradschaft. Ihr Mitglieder haben in den vergangenen Jahren aktiv den Wahlkampf der Partei unterstützt. Ein Mitglied der Gruppierung ließ sich im vergangenen Sommer selbst als Kandidat für die NPD aufstellen. Eben dieser Michael Fischer tauchte dann am frühen Nachmittag in der Niklotstraße auf, um Fotos von den Häusern des Awiro zu machen.

Auch der NPD-Abgeordnete David Petereit zeigte sich in der jüngsten Vergangenheit sehr interessiert am Awiro e.V.. So stellte er in der Rostocker Bürgerschaft mehrfach Anfragen, die sich auf den Verein bezogen haben. Auf dem Propaganda-Portal Mupinfo, für das der NPDler ebenfalls verantwortlich ist, wurden die Häuser in der Niklotstraße als “Anlaufstelle für kriminelle Strukturen” denunziert, von denen “immer wieder Gewaltexzesse” ausgingen. Szenekenner bestätigen die enge Verbindung zwischen Petereit und der NSR.

Freude im Twitterchannel der NSR | Zum vergrößern klicken

„Dieser Anschlag auf den Awiro e.V. war nicht der Erste.“ teilt eine Sprecherin des Vereins mit. „Der Angriff auf unser Projekt zeigt uns allerdings einmal mehr, dass antifaschistisches Engagement auch in Rostock weiterhin wichtig und notwendig ist.“
Dass Neonazis es nicht bei ihrer verqueren Ideologie belassen ist für Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Tat keine Neuigkeit. Nicht immer bleibt es bei Farbeiern, Papierschnipseln mit kruden Parolen oder Steinwürfen. Am Bahnhof des kleinen Dörfchens Pölchow hatten im Jahre 2007 mehr als 100 Neonazis eine Gruppe von Linken brutal angegriffen. Unter der Gruppe der Täter waren führende NPD-Landtagsabgeordnete wie der Fraktionschef Udo Pastörs und der Landesvorsitzende Stefan Köster. Im vergangenen Jahr hatten lokale Neonazistrukturen um den aus Berlin zugezogenen Markus G. in Greifswald mehrere Brandanschläge verübt. Mit rechter Gewalt muss in diesem Bundesland immer gerechnet werden, dass zeigten nicht zuletzt die Enthüllungen der vergangenen Wochen und Monate über den sog. Nationalsozialistischen Untergrund, der auch in Rostock mordete und der mehrfach zur Geldbeschaffung im Bundesland unterwegs gewesen ist.

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