Politik

Greifswald: Neonazis verlieren im Angesicht von Protesten die Nerven

Was sich heute während der Kreistagssitzung abgespielt hat, dürfte für einen handfesten Skandal sorgen. Nachdem die NPD Anfang September sechs Sitze im neuen Parlament des Landkreises Vorpommern-Greifswald erhielt, zeigte sie heute, was sie und ihre SympathisantInnen unter “nationaler Opposition” verstehen. Während etwa 90 ZuschauerInnen aus Protest gegen die NPD ein Transparent mit der Aufschrift “Nazis abwählen” entrollten, versuchten mehrere NPD-Mitglieder und deren Anhänger dem Protest mit Gewalt zu begegnen.

Rund 90 Personen fanden sich zur Sitzung des Kreistages in der Greifswalder Stadthalle ein, um gegen die NPD im Kommunalparlament zu protestieren. Um diese einzuschüchtern, versammelten sich etwa 15 Neonazis im Zuschauerraum, die sich von Beginn an äußerst aggressiv zeigten. Wie mehrere Augenzeugen berichteten, beleidigten sie die Protestierenden und drohten diesen mit Gewalt. Als Michael Andrejewski, der sich bereits 1992 ideologisch an dem Pogrom in Rostock Lichtenhagen beteiligte und dieses im Rahmen des diesjährigen Wahlkampfes als Volkszorn bezeichnete, ans Pult trat, schallten Buhrufe durch den Raum und Luftballons mit Aufschrift “Greifswald Nazifrei” sanken aufs Parkett. Die Sitzung wurde daraufhin für einen kurzen Moment unterbrochen. Nachdem der Protest trotz mehrmaliger Ermahnung Kreistagspräsidenten Michael Sack weiter anhielt, entschied sich dieser, den Saal räumen zu lassen. Bevor jedoch die Räumung durchgesetzt werden konnte, hatten die kritischen ZuschauerInnen bereits ein Transparent mit der Aufschrift „Nazis Abwählen“ entrollt. Die anwesenden Neonazis im Publikum versuchten daraufhin die Protestierenden zu attackieren. Auch wurde einer Person gedroht sie von der Empore in Saal hinunterzuwerfen. Mit der hinzugekommenden Polizei stritten sich nun drei Parteien im Kreistag um das Transpi. In Folge dessen brach auch der Livestream der Piratenpartei ab, als Neonazis versuchten sich gewaltsam in Besitz des Transparents zu bringen. Auch die NPD-Kreistagsabgeordneten Hannes Welchar und Michael Gielnik, sowie die NPD-Mitglieder Christian Hilse und Dirk Bahlmann waren gemeinsam mit dem ehemaligen HDJ-Kader Frank Klawitter an den Übergriffen beteiligt.

Es ist offensichtlich, dass die Nerven bei den Kameraden blank liegen. Anstatt den Tumult der NPD-Gegner vorbeiziehen zu lassen und sich nachher als Musterdemokraten zu gerieren, war die Gewaltneigung bei den Nazis dann doch wieder stärker als strategische Überlegungen. Dieses Vorgehen erinnert an die Vorgänge im April 2011, als im Vorfeld der ersten Mai-Proteste, Neonazis sogar mit Brandanschlägen für Aufmerksamkeit sorgten. Sollte es die Absicht gewesen sein noch mehr Menschen von der Notwendigkeit einer antifaschistischen Demonstration zu überzeugen, dann dürfte dies gelungen sein. Gelegenheit dafür gibt es am 10.12.

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