Politik

Das tragische Ende des Axel M. – Von Furcht, Farce und Mitleid im Altermediaprozess

Möller am Landgericht Rostock. Foto: Kai Budler, via publikative.org

So hatte der Axel Möller sich seinen Prozess als “Dissident” sicher nicht vorgestellt. Ohne große Anteilnahme anwesender Kameraden und deutlich schneller als ursprünglich geplant läuft der Altermediaprozess nun seinem Ende zu. Möller wollte die Chance nutzen und das Verfahren als Bühne für den politischen Kampf gegen das System ausnutzen, in dem er sich, seiner eigenen Perspektive nach, befindet. Doch der zuständige Richter hat bislang alles dafür getan Möller die Chance auf große Auftritte zu verbauen. In seinem Abschlusswort, kurz vor der bevorstehenden Verurteilung versuchte sich der Stralsunder Neonazi allerdings doch noch einmal als großer Agitator. Beim nächsten Termin wird das Urteil verkündet.


Möller gegen die BRD – ein ungleicher Kampf

In seinem Schlusswort dankt der Stralsunder seinem Anwalt und bekennt sich anschließend zu allem was ihm vorgeworfen wird. Die Vorwürfe seien kein Makel, er selbst sei von der Richtigkeit eines jeden in der Verhandlung thematisierten Artikels überzeugt und darüber hinaus stolz auf diese. Das kommende Urteil werde er auf sich nehmen, die rechte Sache sei damit aber nicht verloren. Einst kommen andere Zeiten. Du bist nichts, dein Volk ist alles – man kennt diese alte Leier.
Der Stralsunder lässt in seiner abschließenden Einlassung das Bild aufscheinen, das er von sich selbst und seinem Projekt Altermedia hat. Der Mann wähnt sich im Krieg mit dem System und in gewisser Hinsicht hat er den dann auch bekommen. Möller war in den virtuellen Gefilden der Netzöffentlichkeit praktisch im Alleingang in einen medialen Kreuzzug gegen die Bundesrepublik Deutschland gezogen. Der Inhaber des Gewaltmonopols hat ihn zuletzt unter Einsatz eines recht eindrucksvollen technischen Materialaufwands zur Strecke gebracht, wenn man bedenkt, dass es sich nur um eine einzelne, aus den alten unsanierten Mietskasernen der Frankenvorstadt Stralsunds heraus betriebenen Homepage handelte. Die Liste der ursprünglich geladenen Zeugen, die als Beamte mit dem Fall zu tun hatten, war einigermaßen lang. Doch letztlich kam es anders. An jedem Prozesstag wurde die zu erwartende Tagesordnung geändert, das Verfahren auf diese Weise erheblich abgekürzt. Es schien als sollte Möller keine Gelegenheit bekommen mit dem Gericht über historische Wahrheiten oder die Meinungsfreiheit für Neonazis zu streiten.

Mit stoischer Geste dem Ende entgegen

Man kennt dieses Gebaren von anderen Neonazis, die unter großem Getöse für ihren Wahnsinn in den Knast gehen, als wenn der Ernst mit dem sie sich selbst schädigen, ihre Ideologie wahrer machen könnte. Sylvia Stolz etwa hat nicht nur Horst Mahler verteidigt, der völlig ohne Sinn und Verstand gegenüber Michel Friedmann auf die Kacke gehauen hatte, sie ging im Anschluss des Verfahrens konsequenterweise auch noch selbst wegen Holocaust-Leugnung in den Knast. Die Botschaft hinter solchen Taten soll lauten, dass diese Neonazis bereit sind alles zu tun, um für ihre Wahrheit zu kämpfen. Das einer autoritären Bewegung mit eingesperrten Führern nicht unbedingt gedient ist, darf dabei keine Rolle spielen. Jeder Kompromiss wäre einer zuviel. – Nun reiht sich Möller in die Reihe derer ein, die mit stoischem Habitus ins Gefängnis gehen und dabei behaupten sie seien tief in ihrem Inneren freier als je zuvor. Allein, die große Geste wird zur Farce, wenn kaum noch jemand ein Interesse hat sie wahrzunehmen. Möller erfuhr an den Prozesstagen vergleichsweise wenig personelle Unterstützung und Solidarität. Der neue NPD-Abgeordnete Petereit schaute immer mal wieder vorbei. Dem einstigen Konkurrenten in Sachen Vorherrschaft im Netz kann der MUPinfo Betreiber nun aus der Position der Stärke heraus ganz gnädig ein wenig Solidarität zukommen lassen. Die Zeiten in denen die NPD von Querschüssen aus der Richtung von Altermedia aufgemischt wurde, sind allerdings seit längerem vorbei. Altermedia mag noch immer einer der größten virtuellen Tummelplätze für Neonazis im Netz sein. Die Seite wird allerdings seit geraumer Zeit vor allem mit Cross-Postings bestückt. Die Anteil der Eigenbeiträge sank kontinuierlich.

Niedergang
In der Geschichte Altermedias werden nun die letzten Seiten aufgeschlagen. Der große dramatische Höhepunkt ist ausgefallen. Der Mann hinter Deutschlands einst wichtigster Nazi-Homepage hat abgewirtschaftet. Was bleibt ist fast ein bisschen Mitleid, wenn man den tragischen Menschen sieht, der ein letztes Mal versucht zur großen Geste zu greifen. Das Publikum ist aber schon fast gegangen.

5 comments to Das tragische Ende des Axel M. – Von Furcht, Farce und Mitleid im Altermediaprozess

  • Toller Beitrag mit vielen Aspekten, vom Kreuzzug bis zur MUP-Rivalität!

  • “Der Inhaber des Gewaltmonopols hat ihn zuletzt unter Einsatz eines recht eindrucksvollen technischen Materialaufwands zur Strecke gebracht, wenn man bedenkt, dass es sich nur um eine einzelne, aus den alten unsanierten Mietskasernen der Frankenvorstadt Stralsunds heraus betriebenen Homepage handelte. Die Liste der ursprünglich geladenen Zeugen, die als Beamte mit dem Fall zu tun hatten, war einigermaßen lang.”

    Nicht schlecht. Sie deuten wenigstens den ökonomischen Unterbau des “Unternehmens” und seine Interessenkonvergenz zum Radikalstetatismus an: Die Liste der Beamten die mit den Fällen der vielen ganz perspektivlosen Nazi-Hartzler zu tun hatten – und immer noch haben – ist wirklich sehr lang. Altermedia ist ein Produkt des exzessiven Sozialstaats der uns auf brutalstmögliche Weise ausplündert – um z. B. die Altermedia-Betreiber am Leben zu erhalten und sie dann gelegentlich “unter Einsatz eines recht eindrucksvollen technischen Materialaufwands” (auf unsere Kosten, wohlgemerkt!) politisch zur Strecke zu bringen.

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