Kultur

Mein Skateboard ist wichtiger als die „Volksgemeinschaft“

Mit einem antifaschistischen Aktionstag zeigte die Kampagne „Wake Up – Stand Up! Keine Stimme den Nazis in MV!“ am Samstag, dass „links“-sein mehr ist als gegen Nazis zu sein. Mit Skate-Rampe, mobilem Künstler_innenatelier, politischen Diskussionen, einem Konzert und vielem mehr, wurde dieser Tag zu einem wirklichen Höhepunkt, von dem es sich zu berichten lohnt.

Wer den Freigarten des Peter-Weiss-Hauses betrat, staunte nicht schlecht, denn statt der Bänke befanden sich unter einem der Pavillons bunte Wände und neben dem üblichen Duft des fair gehandelten Kaffees lag heute Sprühlack in der Luft. Junge Künstler_innen ließen ihrer Kreativität freien Lauf und füllten die Wände in den buntesten Farben mit aussagekräftigen Parolen. Auch ein weiterer Pavillon lockte mit der Möglichkeit sich kreativ auszuprobieren. Hier konnten in Eigenregie Shirts, Beutel und andere Stoffe farbenfroh bedruckt werden.

Auch im Hausinneren gab es einige Veränderungen zu bestaunen. So hatte sich der „Große Saal“ in ein kleines Paradies für alle BMX- und Skate-Liebhaber_innen verwandelt. Wo sonst Konzerte, Theateraufführungen oder Diskussionsrunden stattfinden hatte „Wake Up – Stand Up!“ zusammen mit einigen Leuten von Titus eine Halfpipe aufgebaut, die von kleinen und großen Artist auf Boards und Rädern beansprucht wurde. Das sportliche Highlight des Tages bildeten dann die Einlagen der Titus-Pros, die mit Moves – hart am Knochenbruch – das Publikum in Atem hielten.

Außerhalb des „Großen Saals“ roch es bereits seit einiger Zeit aus der einen Ecke köstlich nach köchelndem Gemüse und aus einer anderen nach rauchenden Köpfen. Während in der Küche fleißige Hände vegane Köstlichkeiten zubereiteten, tobten im „Möckelsaal“ hitzige Debatten. Dort wurde im Rahmen verschiedener Diskussionsveranstaltungen zunächst über den Wahlkampf der Nazis in MV informiert und anschließend über das Für und Wider des Wahlprocederes gestritten. Sind Wahlen gerecht, wenn Menschen über die politisch entschieden wird, von diesen ausgeschlossen sind? Und was hat das Nichtwählen für Auswirkungen? Denn eine nicht abgegebene Stimme könnte letztlich der – inzwischen um den Wiedereinzug zitternden – NPD noch zu Gute kommen. Schnell wurde den etwa 50 Diskussionsteilnehmenden bewusst, dass dies keine herkömmliche Parteienveranstaltung ist, sondern es darum ging die Verhältnisse zu hinterfragen.

Am frühen Abend bespielte das Duo „Theory & Praxys“ den mit immer mehr Menschen gefüllten Freigarten mit minimalem Techno und House. Im großen Saal des Peter-Weiss-Hauses wurde in der Zwischenzeit für die kommenden Konzerte umgebaut. Zum Abschluss des Aktionstages traten die HipHop-Trash-Band Cat ‘n’ Guyen auf. So ganz haben sie sich nie von ihren Wurzeln im mecklenburgischen Jugendzentrumshardcore gelöst und so wird die anzititierte Angeberpose der Rap-Klischees immer wieder von Störgeräuschen und Stilwechseln durchbrochen. Cat ‘n’ Guyen sollte man sich vor allem live ansehen, denn zu der mit Brüchen durchzogenen Musik kommt eine ebenso wilde Performance auf der Bühne.

Auch „Deine Elstern“ gaben Musik zum besten, zu der man sowohl Tanzen als auch Nachdenken kann. Ihr Sound war im Gegensatz zu Cat’n'Guyen deutlicher im HipHop verorten, auch wenn die beiden als deine Elstern sich in ihrem neuen Projekt musikalisch etwas breiter betätigen. Das Projekt besteht aus der Rapperin Sookee und Kobito, der sonst bei den „Schlagzeiln“ Musik macht. Viele Gäste waren schon während des Soundchecks gekommen und hatten sich erkundigt, ob die Elstern denn schon gespielt hätten oder noch zu erwarten seien. Ein voller Saal zeigte dann, dass die Erwartungen des Publikums an die Band erfüllt werden konnten.
Der Abend war, wie der ganze Tag auch eine Möglichkeit, auf den gemeinsamen Weg zurückzuschauen und noch einmal Kraft zu tanken für die letzten Tage des Wahlkampfes zu tanken. Spätestens am Samstag sehen wir uns alle bei der großen Demo in Schwerin. Am kommenden Tag ist es dann höchste Zeit, um die Nazis dann endlich aus dem Landtag zu kicken.

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