Politik

Die NPD in MV: “Was als Fremdes abstößt, ist nur allzu vertraut.”

Fliesenleger Bahlmann (ohne Haare)

Wenn es um billige Propaganda geht, dann ist der NPD in der Regel nichts zu blöde. Da schwadronierte ihr Spitzenkandidat in Torgelow davon, dass nach einer seiner Rede in einem menschenleeren Gewerbegebiet, anlässlich bevorstehender Entlassungen in einer Eisengießerei, ein spontaner Aufzug “empörter Bürger” stattfinden würde. Tatsächlich hatte die NPD im Vorfeld einige Aktivisten herangekarrt, um den Protestzug kameragerecht zu inszenieren. (hxxp://www.youtube.com/watch?v=Y-5APmZAjiw) Das kann man vielleicht noch als Optimierung der Öffentlichkeitswirkung durchgehen lassen – auch wenn die Aufführung des Theaterstücks ziemlich dilettantisch geriet – den Vogel abgeschossen haben sie jedoch mit ihrem letzten Video.

Udo Pastörs, der Kümmerer, sieht sich auf einer Baustelle um. Die Bauarbeiter sind aufgeschlossen und versprechen eifrig am 4. September die nationale Opposition zu wählen. Das sollte man auch erwarten, schließlich ist der “Bauarbeiter” nicht unbekannt. Zumindest dürfte Udo Pastörs ihn kennen, sofern er einen flüchtigen Blick auf die Kandidatenliste der eigenen Partei geworfen hat. Denn bei seinem Gegenüber handelt es sich um niemand geringeren, als den Direktkandidaten der NPD für den Wahlkreis Uecker-Randow II, Dirk Bahlmann.

Die Gespräche kreisen um das niedrige Lohnniveau auf dem Bau. Und natürlich klagt Bahlmann über die miese Bezahlung. Allerdings sollte er doch eigentlich zu den Profiteuren gehören. Denn anders als das Video suggerieren will, ist der NPD-Kandidat nämlich kein geknechteter Arbeiter, sondern Bauunternehmer. “Bahlmann-Bau” heißt seine Firma und in entlarvender Art und Weise spricht er die Geschichte von den “Ausländern” die den deutschen die Arbeitsplätze wegnehmen aus Unternehmersicht an:

“Gerade hier regional, wat hier in Uecker-Randow, äh, wir haben ja das Problem jetzt, äh äh, Schengener-Abkommen äh, haben ja hier die Grenzöffnung, dadurch haben wir auch Billiglöhne, die ähäh, die werden jetzt von den Polen auch sehr gerne angenommen – also ick seh da schon schwarz – für uns.”

Nebenbei bemerkenswert: wie die eigenen Kandidaten die Kampagnen der Partei aufnehmen. Die NPD hatte über Wochen gegen die neuen Freizügigkeitsregelungen agitiert. Aber anscheinend ist dem Herrn Bahlmann immer noch nicht der Unterschied zum “äh äh Schengener-Abkommen” klar geworden. Das Abkommen war die Geschichte mit den kriminellen Ausländern – verstehste Dirk? Eigentlich doch nicht so schwer, oder? Zumal dies auch das Motto für den gescheiterten Demonstrationsversuch in Greifswald am 1. Mai fungierte. Gerade das Thema Kriminalität sollte dem Direktkandidaten doch bekannt vorkommen. Schließlich wurde bereits fast ein Dutzend mal gegen ihn im Namen des Volkes gesprochen.

Wenigstens nimmt er die Forderung Arbeit zu erst für Deutsche ernst, auch wenn er zur Not für eine polnische Maklerin arbeitet. Aber schließlich befindet man sich auch im Speckgürtel von Szczecin oder wie die NPD orakelt, in der “vorübergehenden Grenzregion”. Vorbestraft ist der notorische Antisemit aus Löcknitz unter anderem, weil er Journalisten zuweilen als “Judensäue” bezeichnet. Die Ironie ist frappierend. “Was als Fremdes abstößt, ist nur allzu vertraut.” Da steht der Unternehmer mit dem Goldhändler auf dem Baugerüst und stottert von “ehrlicher” Arbeit. Aber in dieser Partei ist alles möglich. So führt das, vom kürzlich umgekloppten NPD-Landesvize David Petereit betriebenen, Szeneportal “MuPInfo” als den ersten der – wie sollte es auch anders sein – 33 Gründe die NPD zu wählen, an:

“NPD wählen, weil: – Unser Vaterland nicht länger von Verbrechern regiert werden darf”.

Eine gewagte These für eine Gruppierung, die die wohl größte Ansammlung von Kriminellen außerhalb von Gefängnissen darstellt. Man denke nur etwa an Herrn Krüger.

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